Montag, 20. Februar 2012

Unser Münchhausen


Ein 28 Jahre junger Mann stellte sich vor. Verheiratet, ein Kind, die Frau war wieder schwanger und eigentlich machte er einen guten Eindruck. War gepflegt und sehr nett. Und kam recht Intelligenz rüber. Nun ja, der Schein trog. Denn diese Person war ein riesengroßer Lügner. Aber eins nach den anderen. Fangen wir mal langsam an. Ich muss dazu sagen, dass diese Person nur 4 Wochen bei uns war. Ja, das ist alles innerhalb von 4 Wochen nur passiert. Nennen wir diese Person jetzt mal Münchhausen.

Münchhausen durfte, nachdem er 2 Wochen angelernt wurde, das erste mal selber auf Tour fahren. Nach der Tour kam er ins Büro und sagte, dass sein Tobi (Tobi ist ein Computer womit der Fahrer seine Tour sehen, eingeben kann etc.. Sieht in etwa so aus wie es der DHL Fahrer, oder der Hermes Fahrer auch hat. So ein Handdingsbums halt) kaputt wäre. Warum ist es denn kaputt fragte ich. Er sagte das Ding wäre während der Fahrt aus der Halterung gefallen. Nun ja, die Halterung ist so gemacht worden, dass die Dinger gar nicht raus fallen können! Wir haben ihn das erstmal so geglaubt. Bis er auf einmal sein Smartphone (ich schreibe extra Smartphone und nicht Handy, weil dazu noch etwas kommt) aus der Tasche holte. Dies war auch defekt. Das Display war gesprungen. Von da an machten wir uns im Büro unsere Gedanken. Denn so ein Tobi kostet um die 1.500 Euro. Am nächsten Tag sprachen wir ihn noch mal darauf an. Da gab er es zu. Dass er sein Smartphone und das Tobi nur auf der Ablage hatte und er stark bremsen musste. So sind die Sachen mit voller Wucht nach vorne geschossen. Die Windschutzscheibe hatte auch ein paar leichte Kratzer abbekommen. Das wäre sowieso irgendwann aufgefallen, wenn ein anderer Fahrer dieses Auto gefahren hätte.

Dann kam es häufiger vor, dass er ein Lieferschein im Auto ließ und das noch 2 Tage lang. Man muss es sich ungefähr so vorstellen: Wir brauchen die Lieferscheine um abzurechnen, klar. Wir machen auch eine Restmengenliste. Wenn ein Lieferschein fehlt, sagen wir mal über 2.000 Liter Heizöl, so stimmt dann unsere Restmengenliste ja nicht. Wir führen das Auto mit 2.000 Liter Heizöl im Tank weiter, obwohl die schon längst raus sind. Bei einer Kontrolle, die einmal in der Woche stattfindet, wäre es dann aufgefallen und wir hätten uns nen Wolf gesucht. Zum Glück gibt es da noch Tagesbelege die der Fahrer zu machen hat. Nur hat Münchhausen keine gemacht und die immer schön gelöscht. Der Verdacht kam auf, dass dieser Fahrer klaut. Denn wir haben es ihm immer wieder gesagt und er hat es immer wieder vergessen. Er wurde gekündigt. Da mein Chef aber ein Supertyp ist und auch ein großes Herz hat, hat er ihn nach 2 Tagen wieder eingestellt. Münchhausen hatte ja ne Familie zu ernähren. Das war der Anfang vom Untergang. ;-)

Es kam die Handyrechnung. Wir haben alle Firmenhandys mit dem Anbieter mit den 4 Buchstaben. Da ist es im Netzinternen Netz kostenlos. Alles schön und gut, aber Internet ist nicht drin. Somit kommen wir jetzt zum Thema Smartphone (siehe oben). Da hat der gute Mann mal 32MB mit seinem Handy geladen was mal eben um die 200 Euro kostete. Und das nicht nur einmal. Die Rechnung betrug dann knapp 900 Euro. Wir machten uns Gedanken wie das geht. Und sind auf nen Internetstick gekommen den er mit der Telefonkarte benutzt haben musste, denn was lädt man mit den Handy das 32MB hat? Wir sprachen Münchhausen an und er konnte es sich, wie sollte es auch anders sein, nicht erklären. Der Chef machte mit dem Fahrer eine Ratenzahlung aus. Das war’s?! Nicht ganz. Es geht noch weiter! J

Er hatte nen Barzahler und musste von nem Kunden 1.400 Euro kassieren. Und jetzt kommt die geilste Geschichte ever. Das Geld brachte er am ersten Tag nicht rein. Ich muss auch zu geben, dass wir es nicht wussten, dass er kassiert hat. Am nächsten Tag während der Abrechnung ist es uns aufgefallen. Wir haben ihn angerufen und er sagte: „Ja bringe ich vorbei.“. Dann kam er auch und jetzt die Ausrede. Er sagte: „Ich hab das Geld in eine anderen Hose. Diese Hose gab ich meine Mutter zum waschen. Meine Mutter ist aber ins Krankenhaus eingeliefert worden und ich komme nicht in die Wohnung, da ich kein Schlüssel habe.“. Unglaublich, aber wahr. Er würde das Geld Dienstag, das war an einem ersten im Monat, quasi Zahltag, abgeben. Wir sind ja nicht doof. Mein Chef sagte dann wir haben den Verdacht, dass er das Geld genommen hätte. Münchhausen aber schwor, dass er doch nie ans Geld gehen würde. Okay, sagten wir uns. Nur, was Münchhausen da noch nicht wusste: Wir bekommen unsere Löhne immer so am 2.ten, oder 3.ten im Monat. So auch Münchhausen. Am Dienstag, am 1.ten, brachte er natürlich noch kein Geld. Er sagte seine Mutter wäre noch im Krankenhaus. Wir kamen uns echt verarscht vor. Aber gut sagten wir uns. Und wir sind ja auch kleine Schweinchen. Denn wir gaben Münchhausen für Mittwoch nichts zu fahren. Er sollte erstmal zur Firma kommen. Hehehehe. Er kam dann auch. Tja, und Chef sagte: „Dann fahren Sie mal nach Hause und holen das Geld.“. Das war so gegen 8 Uhr. Münchhausen sagte dann auch noch ok und fuhr weg. Die Uhr lief und lief und wir hatten schnell 12 Uhr. Immer noch keine Spur von Münchhausen. Ans Telefon, sorry ich meine Smartphone mit kaputten Display, ging er nicht. So gegen 14 Uhr kam er dann endlich zurück ohne Geld! Jetzt hatte er keine Ausreden mehr. Er gab den Chef 1.000 Euro und sagte die restlichen 400 Euro hätte er verloren. Sorry, wenn man Geld verliert, dann alles und nicht nur ein Teil davon, oder? Unsere These ist: Er hat sich von den 400 Euro ein schönes Wochenende gemacht und wollte die 400 Euro von seinem Lohn zurückzahlen. So wird es gewesen sein. Das gab er natürlich nicht zu!

Er wurde dann das zweite Mal gekündigt! Wie doof muss man sein? Der war verheiratet, hatte nen Kind und seine Frau war wieder schwanger. Der Chef gab ihn noch ne Chance auch als die Handyrechnung kam. Was geht in so nem Kopf vor?

Wenn ihr diese Geschichte gut fandet, dann freue ich mich. Und wenn ihr meint, es geht nicht schlimmer, oder lustiger. So irrt ihr euch aber gewaltig! J

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